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8. Streckenflugvorhersage mit Toptherm

Seit einiger Zeit wird vom Deutschen Wetterdienst DWD für den Geschäftsbereich Luftfahrt ein Programm  Namens pc-met angeboten

Grundsätzlich ist zu sagen, dass der DWD immer mehr Computer einsetzt und immer weniger den "Blick nach draussen". Es wird wohl der Vergangenheit angehören, dass Vorhersager mit Erfahrung persönlich an einer Wettervorhersage arbeiten werden.

Als Segelflieger sind wir ein sehr anspruchsvolles Klientel für Wetterprognosen.

Wir wollen örtlich und zeitlich ziemlich präzise wissen, was der Tag bringt. Z.B., ob die Front um 15h oder um 18h einläuft. So eine Information kann für uns Erfolg oder Misserfolg eines Flugtages bedeuten.

Für das breite Publikum scheinen solche Aussagen, wie z.B. "die Regenwahrscheinlichkeit ist 60%", auszureichen.

Diese Aussage bedeutet übrigens, dass von 10 Computermodellen 6 Regen anzeigen, während die andern 4 Sonne prognostizieren.

So soll denn bald auch das Produkt "Segelflugwetterbericht", welches bislang zumindest noch zum Teil per Hand gemacht wurde, wegfallen.

Stattdessen gibt nun PC-met.

Was bietet das pc-met Programm des DWD?

Für € 87,- Grundpreis + € 87,- jährlich gibt es:

- Alle Infos, die es ansonsten auch schon in ähnlicher Form gratis im Internet gibt,

  plus (seit Juli 1998):

- Topterm.

Toptherm

Topterm ist ein Programm welches, die Auswertung des Temps auf die im Prinzip gleiche Weise vornimmt, wie es hier geschildert wurde.  

Geschrieben wurde es von Bruno Neiniger und Oliver Liechti. Beides sind Segelflieger und gehören der Akademischen Fliegergruppe in Zürich an (AFG).

Topterm ist aus einem Programm zur Thermikvorhersage in den Alpen, genannt Alptherm hervorgegangen.(siehe [Liechti/Neiniger]).

Alptherm berücksichtigt insbesondere ein Bodenprofil. D.h,. dass die Sonne in den Alpentälern nicht den gesamten Luftraum erwärmen muss, da ein Teil ja fester Boden, nämlich Gebirge, ist.

Ansonsten werden die gleichen Operationen, wie wir sie bei unserer Tempanalyse besprochen haben, auf Luftpakete angewendet und daraus die Änderung des Temps, die Basishöhe, Wolkenbedeckungsgrad und die Aufwindstärke ermittelt.

Alptherm

Die reine Tempanalyse wird modifiziert durch Prognosewerte, die aus dem DWD Rechnermodell für Deutschland stammen.

Stündliche Werte für Temperatur, Feuchte und mittelhohe und hohe Bewölkung liefern die neuen Startwerte für den Aufstieg eines Luftpaketes.

Topterm Bewölkung

Diese Analyse wird nun für alle GAFOR Gebiete mit jeweils einem für das Gebiet zutreffenden Temp unternommen.

Daraus kann dann, wie wir es gesehen haben, die Basishöhe, die Menge und Höhe der Cu Wolken und die Aufwindstärke errechnet werden.

Berechnung der potentiellen Flugstrecke

Aus dem Stundenwert des mittleren Steigens wird mit der Sollfahrttheorie nach McCready eine Geschwindigkeit, die bei diesem Steigen zu fliegen wäre.

McCready

Bei Toptherm wird als Flugzeugpolare ein Diskus verwendet.

Es wird nun angenommen, dass die so errechnete Sollfahrt für die betrachtete Stunde in Strecke umgesetzt werden kann.

Diese Strecken werden über den gesamten Tag aufsummiert und ergeben die Potential Flight Distance PFD (siehe [Liechti/Lorenzen]).

PFD

Die PFD wird nur als größer Null angenommen, wenn

Außerdem werden die Distanzen mit dem Bedeckungsgrad wie folgt variiert:

Bedeckungsgrad

Die PFD wird halbiert bei Blauthermik.

Für jedes Achtel Bewölkung, welches mehr als 4 Achtel beträgt ,werden weiterhin 25% abgezogen.


Fazit

Vermutlich liefern die PFD Zahlen aus Toptherm einen Anhaltpunkt dafür, wie eine Strecke zu legen ist.

Wenn man eine Flugstrecke so plant, dass sie in die großen PFD Zahlen führt, so widerspricht man zumindest mit seinem Streckenplan nicht den Wettermodellen des DWD und der Tempanalyse mit Toptherm.

Wenn das Wettermodell des DWD gut arbeitet, kann Toptherm die Tempauswertung der verschiedensten Radiosondierungen gleichzeitig für ganz Deutschland auswerten.

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© A. Ultsch 2002